Aktion für krebskranke Kinder e.V. Heidelberg 
 


Forschungsbeteiligung "Individuell ausgerichtete Therapien für Kinder mit Leukämien

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Verständnis der Biologie von Leukämie- und Tumorerkrankungen im Kindesalter, aber auch natürlich darüber hinaus, erfordert detaillierte Kenntnisse der genetischen und biochemischen Funktionsabläufe in diesen entarteten Zellen. In den letzten etwa 20 Jahren hat die Möglichkeit der DNA-Analyse und damit der Analyse der Unterschiede im Erbgut einer bösartig entarteten Zelle im Vergleich zur normalen Körperzelle eine Revolution in Gang gesetzt, in der sich die Medizin von einer vornehmlich empirischen zu einer quantitativen Wissenschaft entwickelt hat. Durch die sich daran anschließenden Analysen der biochemischen Wege vom Ablesen der genetischen Information in der DNA bis zur Funktion hat sich gezeigt, dass diese Wege keineswegs, wie zunächst erwartet, monodimensional verlaufen, sondern in komplexen Netzwerken reguliert werden. Bei den Proteinen handelt es sich um die wesentlichen Funktionsbausteine der Zelle, die sich bis vor kurzem einer quantitativen Analyse in primären Tumorzellen weitgehend entzogen haben. Neue technische Entwicklungen, insbesondere der so genannten Massenspektroskopie, erlauben es dank neuester Innovationen, diese wichtigen Analysen auch an klinischen Proben, teils sogar an Einzelzellen, vornehmen zu können. Dies kann zum Beispiel dazu dienen, die Aktivierung von tumor-treibenden Signalwegen in den untersuchten Tumoren besser zu verstehen, aber auch zur Identifikation von therapeutischen Angriffspunkten, vor allem wenn die Expression des entsprechenden Proteins spezifisch in Tumorzellen gefunden wird und nicht in gesunden Zellen. Gerade die Einzelzellanalyse kann dabei helfen, die Homogenität oder Heterogenität der Expression eines Proteins zu quantifizieren. Würde beispielsweise eine therapeutische Zielstruktur nur in einem Teil der Tumorzellen detektierbar, wäre mit einer schnellen Resistenzentwicklung durch die Zellen zu rechnen, welche das Protein nicht exprimieren.

 

Eine interne Bedarfsanalyse hat ergeben, dass wir auch in der Erforschung neuer, individuellen Therapien bei der Behandlung von Leukämien bei Kindern einen hohen Bedarf an solchen Analysen sehen, die erforderliche hochkomplexe Technologie bei uns jedoch derzeit leider noch nicht verfügbar ist.

 

Bei der Massenspektroskopie handelt es sich um ein analytisches Verfahren zur Identifikation und Quantifizierung von Proteinen, das technologisch sicher zu den kompliziertesten in der modernen Biologie und Medizin gehört. Die Massenspektroskopie erfordert zum einen hoch entwickelte (und sehr teure) Instrumente und zum anderen Wissenschaftler, Techniker und Bioinformatiker, die über die erforderliche Kompetenz in der Durchführung und Auswertung dieser aufwändigen Analysen verfügen.

 

Bisher war die Anschaffung des erforderlichen Instrumentes wegen der erheblichen Kosten keine Option und daher war es bislang auch nicht möglich, entsprechend ausgewiesene Wissenschaftler für diesen zukunftsträchtigen Arbeitsbereich zu rekrutieren

Psychologische und Psychosoziale Mitarbeiter

zur Unterstützung der Forschung

Osteosarkom

Neuroonkologie

Projektbeschreibung „Pädiatrische Neuroonkologie“ (Stand 15.2.2015)

Professor Dr. med. Olaf Witt

Kinder und Jugendliche mit einer Hirntumorerkrankung stellen nach wie vor eine ganz besondere Herausforderung an die Kinderonkologie dar. Die Heilungsaussichten konnten in den letzten Jahren durch immer intensivere Behandlungsstrategien nicht wesentlich verbessert werden. Gleichzeitig kommt es durch den Tumor selbst aber auch durch die derzeit eingesetzten Therapien bei vielen Patienten zu lebenslangen  Schäden des Gehirns. Dieses äußert sich in Konzentrations- und Gedächtnisschwäche mit der Folge von Leistungsabfall und Problemen in der Schule bis hin zu Störungen der Bewegung und Koordination, des Sehvermögens und des Hormonhaushaltes. Das von der "Aktion krebskranke Kinder Heidelberg" unterstützte Projekt „Pädiatrische Neuroonkologie“ verfolgt drei nachhaltige Ziele:

  1. Verbesserung der Heilungsraten
  2. Verringerung der Nebenwirkungen
  3. Optimierung der Patientenversorgung in der Akutbehandlung und Nachsorge

Durch eine personalisierte, individuelle Diagnostik können wir mittlerweile mittels modernster molekularer Verfahren das Erbgut des Tumors aufschlüsseln und damit seinen „genetischen Fingerabdruck“ bestimmen. Dadurch sind wir in der Lage herauszufinden, wie der Hirntumor sich vom gesunden Gewebe unterscheidet und ob ein Angriffspunkt für eine zielgerichtete, individualisierte Therapie vorliegt. Wir nutzen dieses Wissen um für unsere Patienten beispielsweise in der Rückfallsituation einen individualisierten Behandlungsplan aufzustellen, diesen mit den Eltern und Patienten zu besprechen und eine personalisierte Therapie durchzuführen (siehe Fallbeispiel unten). Durch ein auf Hirntumorerkankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiertes Team werden die betroffenen Patienten und Familien von der Erstdiagnose über die Therapie bis zur Nachsorge professionell versorgt und auch in Krisen und Schwellensituationen des Alltags beraten. Durch die Projektförderung der "Aktion krebskranke Kinder Heidelberg" werden diese Arbeiten personell und durch Sachmittel nachhaltig unterstützt, sodass nicht nur in Zukunft, sondern bereits jetzt die betroffenen Patienten und Familien davon profitieren können. http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Sektion-Paediatrische-Hirntumore.130196.0.html


Fallbeispiel

3 jähriger Junge mit einem rezidivierten Hirntumor nach mehreren Operationen und Chemotherapie.  Die molekulare Diagnostik des Tumorgewebes erbrachte eine sogenannte BRAFV600E – Mutation. Durch die zielgerichtete Behandlung mit einem Hemmstoff gegen BRAFV600E zeigt der Tumor einen deutlichen Rückgang. Die Therapie kann ambulant zu Hause durchgeführt werden und der Junge hat sich in der Zeit positiv weiterentwickelt mit Verbesserung seiner Sehfunktion sowie motorischen und sprachlichen Fähigkeiten.